Während andere frieren entdecken Insider diese italienische Höhlenstadt zum Sparpreis – mit Übernachtung im Fels ab 30 Euro

Wenn die Neujahrshektik sich legt und die meisten Reisenden noch in Winterstarre verharren, offenbart sich in der Basilikata ein Geheimnis, das nur wenige kennen: Matera im Januar ist ein Erlebnis von stiller Intensität. Die antiken Sassi, jene legendären Höhlenwohnungen, die sich an die Felswände schmiegen, zeigen sich im Winterlicht von einer ganz besonderen Seite. Ohne die sommerlichen Touristenmassen wird die Stadt zu einem meditativen Rückzugsort, perfekt für alle, die alleine unterwegs sind und die Essenz eines Ortes jenseits der ausgetretenen Pfade suchen.

Warum Matera im Januar eine kluge Wahl ist

Der Januar mag auf den ersten Blick nicht die naheliegendste Reisezeit für Süditalien sein, doch genau darin liegt die Magie. Die Temperaturen bewegen sich tagsüber zwischen 8 und 12 Grad – kühl genug für lange Erkundungstouren zu Fuß, ohne ins Schwitzen zu geraten, und mild genug, um stundenlang durch die verwinkelten Gassen zu streifen. Die klare Winterluft lässt die ockerfarbenen Steinformationen in einem besonders intensiven Licht erstrahlen, und die gelegentlichen Nebelschwaden, die morgens durch die Schlucht ziehen, verleihen der Szenerie etwas Mystisches.

Als Alleinreisender profitierst du im Januar von drastisch reduzierten Preisen. Unterkünfte kosten oft nur die Hälfte dessen, was im Sommer verlangt wird, und die Einheimischen haben Zeit für echte Gespräche. Die Stadt gehört dir – kein Gedränge vor den fotogenen Aussichtspunkten, kein Warten an den Eingängen der Felsenkirchen.

Die Sassi – ein Labyrinth aus Stein und Geschichte

Das Herzstück Materas sind zweifellos die Sassi di Matera, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Diese prähistorischen Wohnsiedlungen, in den Tuffstein gehauen, bilden ein dreidimensionales Labyrinth, das du am besten planlos erkundest. Nimm dir mindestens einen ganzen Tag Zeit, um dich zwischen Sasso Barisano und Sasso Caveoso zu verlieren. Jede Biegung offenbart neue Perspektiven: überwucherte Treppen, die ins Nichts zu führen scheinen, winzige Kapellen mit verblichenen Fresken, Innenhöfe, in denen die Zeit stillsteht.

Die etwa 150 Felsenkirchen sind wahre Schätze. Besonders beeindruckend sind jene mit erhaltenen byzantinischen Fresken aus dem 13. Jahrhundert. Der Eintritt in die meisten dieser Kirchen kostet zwischen 3 und 5 Euro, manche sind sogar kostenlos zugänglich. Im Januar hast du diese spirituellen Räume oft für dich allein – ein Privileg, das unbezahlbar ist.

Kulinarische Entdeckungen für schmale Budgets

Die materanische Küche ist bodenständig, deftig und erschwinglich. In den kleinen Bäckereien der Altstadt bekommst du das berühmte Pane di Matera, ein geschütztes Hartweizenbrot mit knuspriger Kruste, für etwa 3 Euro pro Kilo. Kombiniert mit lokalem Käse und Salami aus einer der zahlreichen Feinkostläden hast du ein Picknick, das dich den ganzen Tag sättigt.

Die typischen Trattorien außerhalb der Haupttouristenrouten bieten mittags Menüs für 12 bis 15 Euro an. Hier solltest du unbedingt die Crapiata probieren, einen herzhaften Eintopf aus Hülsenfrüchten und Getreide – perfekt für kühle Januartage. Auch die Peperoni cruschi, knusprig frittierte Paprikaschoten, sind eine lokale Spezialität, die oft als Vorspeise gereicht wird.

Für den Espresso zwischendurch zahlst du an der Bar etwa 1 Euro. Wenn du dich zu den Einheimischen an die Theke stellst statt dich zu setzen, sparst du noch mehr und bekommst gratis einen Einblick in den italienischen Alltag.

Unterkunft in den Höhlen – authentisch und bezahlbar

Das Besondere an Matera ist die Möglichkeit, direkt in den restaurierten Sassi zu übernachten. Im Januar findest du einfache, aber charmante Höhlenzimmer bereits ab 30 Euro pro Nacht. Diese Unterkünfte sind oft mit minimalistischem Design eingerichtet, respektieren aber die historische Substanz. Die natürliche Klimatisierung des Tuffsteins hält die Räume angenehm temperiert.

Wer noch mehr sparen möchte, findet in der Neustadt moderne Pensionen ab etwa 25 Euro. Von dort sind es nur 10 bis 15 Minuten zu Fuß bis zu den Sassi – eine angenehme Strecke, die dich durch das alltägliche Leben der Materaner führt.

Fortbewegung vor Ort und Anreise

Matera selbst erkundest du am besten zu Fuß. Die Stadt ist kompakt, und gerade das Verlaufen in den Sassi macht einen großen Teil des Reizes aus. Bequeme, rutschfeste Schuhe sind allerdings Pflicht – die glatten Steintreppen können im Januar bei Feuchtigkeit glitschig werden.

Die Anreise erfolgt idealerweise über Bari, etwa 65 Kilometer entfernt. Von dort fahren regelmäßig Regionalzüge und Busse nach Matera. Die Zugfahrt kostet rund 5 Euro und dauert etwa 90 Minuten. Busse sind mit circa 6 Euro ähnlich günstig und teilweise schneller. Im Januar sind beide Verkehrsmittel selten überfüllt, sodass du bequem mit deinem Gepäck reisen kannst.

Versteckte Aussichtspunkte und stille Momente

Für spektakuläre Panoramen brauchst du keine geführte Tour. Überquere die Schlucht zum Belvedere auf der gegenüberliegenden Seite der Gravina. Von hier aus bietet sich dir der klassische Blick auf die Sassi, der tausende Postkarten ziert – nur eben ohne die üblichen Menschentrauben. Früh am Morgen, wenn die Wintersonne die Fassaden in goldenes Licht taucht, ist dieser Moment besonders magisch.

Ein weiterer Geheimtipp ist der Spaziergang entlang des Gravina-Flusses. Der Pfad führt durch eine wilde Schluchtlandschaft mit prähistorischen Höhlen, die einst als Schafställe dienten. Diese Wanderung kostet nichts außer etwas Zeit und Abenteuerlust.

Kulturelle Tiefe jenseits der Oberfläche

Im Januar haben die kleineren Museen mehr Zeit für ihre Besucher. Das archäologische Museum, das die 9000-jährige Geschichte der Region dokumentiert, verlangt etwa 7 Euro Eintritt. Hier verstehst du erst, dass Matera nicht nur schöne Kulisse ist, sondern eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Siedlungen der Welt.

Spannend ist auch ein Besuch in einer der Casa Grotta, rekonstruierten Höhlenwohnungen, die zeigen, wie Familien noch bis in die 1950er Jahre hier lebten. Der Eintritt von etwa 3 Euro ist gut investiert und vermittelt ein bewegendes Bild von Armut und Widerstandsfähigkeit.

Praktische Überlegungen für Alleinreisende

Als Soloreisender im Januar genießt du in Matera mehrere Vorteile. Die Stadt ist außerordentlich sicher, selbst abends kannst du problemlos durch die beleuchteten Sassi schlendern. Die überschaubare Größe verhindert, dass du dich ernsthaft verirrst, und die Einheimischen sind hilfsbereit, wenn du nach dem Weg fragst.

Ein Tagesbudget von 50 bis 60 Euro ist realistisch, wenn du in einfachen Unterkünften übernachtest, mittags günstig isst und abends selbst einkaufst. Wer sich mehr gönnen möchte, kommt mit 80 Euro sehr komfortabel zurecht. Vergiss nicht, Bargeld mitzuführen – kleinere Läden und Cafés akzeptieren nicht immer Karten.

Pack Schichten zum Anziehen ein. Die Temperaturunterschiede zwischen sonnigen Plätzen und schattigen Gassen können erheblich sein. Eine wärmende Jacke für abends ist unerlässlich, ebenso wie eine wiederverwendbare Wasserflasche – Trinkwasserbrunnen findest du überall in der Stadt.

Matera im Januar ist keine Reise für Sonnenanbeter oder Strandliebhaber. Es ist eine Reise für Nachdenker, für Fotografie-Enthusiasten, für Menschen, die Geschichte nicht nur sehen, sondern spüren wollen. Die Stadt belohnt jene, die sich Zeit nehmen, die zuhören können und die Schönheit in der Stille entdecken. Gerade alleine eröffnet sich hier eine Intensität des Erlebens, die in geschäftigeren Monaten unmöglich wäre.

Was würde dich im winterlichen Matera am meisten reizen?
Allein durch die Sassi streifen
In einer Höhle übernachten
Fresken ohne Menschenmassen
Deftige Crapiata bei Kälte
Nebelmorgen in der Schlucht

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