Trockene Pasta gehört zu den absoluten Grundnahrungsmitteln in deutschen Haushalten. Ob Spaghetti, Penne oder Fusilli – die Teigwaren finden sich in nahezu jeder Vorratsschranktür. Doch während viele Verbraucher bei Joghurt, Müsli oder Fertiggerichten mittlerweile genau auf versteckte Zuckerzusätze achten, wird bei Nudeln oft davon ausgegangen, dass es sich um ein unkompliziertes Produkt handelt. Ein Blick auf die Nährwerttabelle offenbart jedoch, dass nicht jede Pasta gleich ist – und dass sich hinter vermeintlich identischen Produkten erhebliche Unterschiede in der Kohlenhydratqualität und manchmal auch überraschende Zusätze verbergen können.
Warum die Nährwerttabelle bei Pasta mehr aussagt, als man denkt
Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Pasta besteht aus Mehl und Wasser, bei Eiernudeln kommen noch Eier hinzu. Die Kohlenhydrate stammen logischerweise aus dem Getreide, und Zucker sollte in einem solchen Produkt keine Rolle spielen. Tatsächlich zeigt sich jedoch bei genauerer Betrachtung der Nährwertangaben, dass die Kategorie „davon Zucker“ unter den Kohlenhydraten bei verschiedenen Produkten sehr unterschiedlich ausfallen kann. Klassische Hartweizenpasten weisen üblicherweise zwischen 2,5 und 3,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm aus – ein natürlicher Gehalt, der aus dem Getreide selbst stammt. Bei manchen Varianten finden sich jedoch deutlich höhere Werte.
Diese Unterschiede entstehen nicht zwangsläufig durch zugesetzten Haushaltszucker, sondern können verschiedene Ursachen haben. Dennoch lohnt sich ein kritischer Blick, denn die Art der Kohlenhydrate beeinflusst maßgeblich, wie unser Körper das Produkt verarbeitet und wie schnell der Blutzuckerspiegel nach dem Essen ansteigt.
Natürlicher versus zugesetzter Zucker – ein entscheidender Unterschied
Zunächst ist wichtig zu verstehen: Nicht jeder Zucker, der in der Nährwerttabelle auftaucht, wurde dem Produkt aktiv zugesetzt. Getreide enthält von Natur aus geringe Mengen an Einfachzuckern und Disacchariden, die in der Nährwerttabelle unter „davon Zucker“ erscheinen müssen. Bei reiner Hartweizengrießpasta liegt dieser natürliche Zuckergehalt typischerweise bei etwa 3 Gramm pro 100 Gramm.
Problematisch wird es, wenn Hersteller Zutaten verwenden, die den Zuckergehalt künstlich erhöhen. Dies kann auf verschiedene Weisen geschehen:
- Durch Beimischung von Malzextrakt zur Geschmacksverbesserung oder Farbgebung
- Mittels Glukosesirup als Bindemittel bei bestimmten Spezialformen
- Durch Zusatz von Gemüsepulvern, die einen höheren natürlichen Zuckeranteil mitbringen
- Bei Vollkornvarianten durch den höheren Gehalt an freien Zuckern im vollen Korn
Die Zutatenliste gibt hier entscheidende Hinweise. Produkte, die ausschließlich „Hartweizengrieß“ und eventuell „Wasser“ oder „Eier“ auflisten, sind die unkomplizierteste Wahl.
Die Qualität der Kohlenhydrate macht den Unterschied
Viel wichtiger als die absolute Zuckermenge ist bei Pasta jedoch die Gesamtqualität der Kohlenhydrate. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die sich leider nicht direkt aus der Nährwerttabelle ablesen lassen, aber durch bewusste Produktwahl beeinflusst werden können.
Vollkorn bringt mehr Ballaststoffe und Nährstoffe
Viele Verbraucher greifen reflexartig zu Vollkornprodukten, weil diese als gesünder gelten. Bei Pasta ist die Sachlage differenziert. Vollkornpasta enthält tatsächlich deutlich mehr Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe als klassische Weißmehlpasta. Spezielle Vollkornvarianten wie Linsennudeln können beispielsweise bis zu 8 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm liefern und sind reich an B-Vitaminen, Magnesium und Eisen.
Vollkornpasta hat auch einen leicht höheren Zuckergehalt in der Nährwerttabelle, meist zwischen 4 und 6 Gramm pro 100 Gramm. Das ist nicht weiter problematisch, denn dieser Zucker ist natürlichen Ursprungs und wird durch die Ballaststoffe in seiner Wirkung abgepuffert.

Dennoch sollte man wissen: Der Geschmack und die Konsistenz von Vollkornpasta unterscheiden sich deutlich von klassischer Pasta. Wer die Umstellung nicht mag und deshalb zu stark gesalzenen Fertigsaucen greift oder deutlich mehr Fett verwendet, um den Geschmack zu kompensieren, hat ernährungsphysiologisch wenig gewonnen. Authentische Hartweizengrießpasta ist keineswegs ungesund und bei richtiger Zubereitung eine vollkommen legitime Wahl.
Worauf Sie beim Einkauf konkret achten sollten
Um qualitativ hochwertige Pasta zu erkennen, die keine versteckten Zuckerzusätze enthält und eine gute Kohlenhydratqualität bietet, helfen folgende Kriterien:
Die Zutatenliste entschlüsseln
Je kürzer, desto besser. Bei klassischer Pasta sollten Sie idealerweise nur „Hartweizengrieß“ und bei Eierpasta zusätzlich „Eier“ finden. Begriffe wie Malzextrakt, Glukose, Dextrose oder verschiedene Sirupformen haben in hochwertiger Pasta nichts zu suchen. Auch mehrdeutige Angaben wie „Gewürze“ oder „natürliche Aromen“ sind bei einem so simplen Produkt überflüssig und sollten kritisch hinterfragt werden.
Die Nährwerttabelle richtig interpretieren
Schauen Sie nicht nur auf den Gesamtkohlenhydratgehalt, sondern gezielt auf die Zeile „davon Zucker“. Werte über 4 Gramm pro 100 Gramm bei einfacher Hartweizenpasta sollten Sie stutzig machen und zur Überprüfung der Zutatenliste veranlassen. Bei Vollkornprodukten können die Werte naturgemäß etwas höher liegen, sollten aber nicht über 5 bis 6 Gramm hinausgehen.
Der Eiweißgehalt gibt ebenfalls Hinweise auf die Qualität: Gute Hartweizengrießpasta enthält mindestens 11 bis 13 Gramm Protein pro 100 Gramm. Hochwertige trockene Pasta erreicht oft sogar Werte um 13 Gramm oder mehr. Deutlich niedrigere Werte können auf Beimischung von qualitativ minderwertigeren Mehlen hindeuten.
Das Aussehen und die Konsistenz nach dem Kochen
Hochwertige Pasta hat eine leicht raue Oberfläche, an der Sauce besser haftet. Zu glatte, glänzende Nudeln wurden oft bei sehr hohen Temperaturen getrocknet, was die Stärkestruktur verändert. Nach dem Kochen sollte gute Pasta bissfest bleiben können, ohne mehlig zu werden, und das Kochwasser sollte nicht übermäßig trüb sein – ein Zeichen dafür, dass zu viel Stärke ausgewaschen wurde.
Die richtige Zubereitung macht einen Unterschied
Selbst die beste Pasta entfaltet ihre Vorteile nur bei richtiger Zubereitung. Das Kochen „al dente“, also bissfest, ist nicht nur eine Frage des Geschmacks. Bissfest gekochte Pasta muss vom Körper länger verdaut werden, was zu einem gleichmäßigeren Energieverlauf führt. Beachten Sie dabei, dass durch die Wasseraufnahme beim Kochen der Kaloriengehalt pro 100 Gramm deutlich sinkt: Während ungekochte Spaghetti etwa 350 Kilokalorien pro 100 Gramm enthalten, haben gekochte Spaghetti al dente nur etwa 160 Kilokalorien pro 100 Gramm.
Transparenz sollte selbstverständlich sein
Es ist bemerkenswert, dass bei einem so grundlegenden Lebensmittel wie Pasta überhaupt Unklarheiten bezüglich der Zusammensetzung bestehen können. Verbraucher haben das Recht auf eindeutige, leicht verständliche Informationen darüber, was sie kaufen und essen. Hersteller, die auf unnötige Zusätze verzichten und ihre Produkte transparent kennzeichnen, verdienen die Aufmerksamkeit bewusster Käufer.
Die gute Nachricht: Bei genauem Hinsehen finden sich in jedem Supermarktregal Pastaprodukte, die ohne fragwürdige Zusätze auskommen und eine gute Kohlenhydratqualität bieten. Der kurze Blick auf Zutatenliste und Nährwerttabelle vor dem Kauf ist ein kleiner Aufwand mit großer Wirkung für eine bewusstere Ernährung im Alltag.
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