Wer häufig mit Google Maps navigiert, kennt das Problem: Mitten in der Fahrt ploppt eine Nachricht auf, das Smartphone vibriert, ein Anruf kommt rein – und schon wandert der Blick vom Verkehr weg aufs Display. Was harmlos klingt, ist eine der häufigsten Unfallursachen im Straßenverkehr. Dabei lässt sich diese Ablenkung mit wenigen Handgriffen vermeiden, ohne dass ihr auf eure Navigation verzichten müsst.
Warum Benachrichtigungen beim Navigieren so gefährlich sind
Bereits zwei Sekunden Unaufmerksamkeit bei Tempo 50 bedeuten rund 28 Meter im Blindflug. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hat diese Zahlen immer wieder bestätigt: Wer nur kurz auf eine Benachrichtigung schaut, verliert die Kontrolle über eine beträchtliche Strecke. Kombiniert man aktive Navigation mit eingehenden Messenger-Nachrichten, E-Mails oder Social-Media-Benachrichtigungen, steigt das Risiko erheblich. Google Maps läuft meist im Vordergrund, doch das Betriebssystem lässt andere Apps trotzdem durchblitzen – genau da liegt die Krux.
Besonders tückisch: Viele Nutzer haben ihre Benachrichtigungen so konfiguriert, dass sie auch bei gesperrtem Display angezeigt werden. Sobald Google Maps aktiv ist, erscheinen diese Meldungen als Overlay über der Karte. Der Reflex, nachzuschauen, ist fast automatisch – selbst wenn man sich vornimmt, nicht hinzusehen. Die Unfallforschung belegt, dass Ablenkung mittlerweile bei etwa 30 Prozent aller Verkehrsunfälle eine Rolle spielt, Tendenz steigend.
Der klassische Fehler: Alles beim Alten lassen
Der größte Fehler besteht darin, vor Fahrtantritt einfach Google Maps zu starten, ohne das Smartphone in einen fahrgerechten Modus zu versetzen. Standardmäßig sind bei den meisten Android- und iOS-Geräten sämtliche Benachrichtigungen aktiviert. Google Maps selbst bietet zwar während der Navigation eine aufgeräumte Oberfläche, blockiert aber nicht automatisch Störungen von außen.
Viele denken, dass der Nicht-Stören-Modus kompliziert einzurichten sei oder dass sie wichtige Anrufe verpassen könnten. Dabei lassen sich moderne Smartphones so konfigurieren, dass bestimmte Kontakte oder Notrufe durchkommen, während der Rest stumm bleibt. Wer diese Funktion ignoriert, setzt sich unnötigen Gefahren aus. Studien zeigen: Rund 40 Prozent der Autofahrer nutzen ihr Handy während der Fahrt, obwohl sie die Risiken kennen.
So richtet ihr euer Smartphone optimal für die Fahrt ein
Android-Nutzer: Der Fahrmodus als Lebensretter
Android bietet seit Version 9 einen integrierten Fahrmodus, der sich hervorragend mit Google Maps kombinieren lässt. Aktiviert ihr diesen Modus, werden Benachrichtigungen automatisch minimiert oder stumm geschaltet. Ihr findet die Einstellung unter Einstellungen, Digitales Wohlbefinden, Fahrmodus oder alternativ über Benachrichtigungen, Nicht stören.
Besonders clever: Richtet eine Automatisierung ein, die den Fahrmodus startet, sobald euer Smartphone sich mit dem Auto-Bluetooth verbindet oder Google Maps geöffnet wird. Apps wie Tasker oder MacroDroid machen solche Szenarien kinderleicht. Einmal eingerichtet, müsst ihr euch um nichts mehr kümmern.
iPhone-Nutzer: Fokus-Modi intelligent nutzen
Apple hat mit iOS 15 die Fokus-Modi eingeführt, die deutlich flexibler sind als der alte Nicht-Stören-Modus. Erstellt einen eigenen Fokus namens Fahren und definiert genau, welche Apps und Kontakte euch erreichen dürfen. Google Maps darf natürlich weiterhin Sprachanweisungen geben, während WhatsApp, Instagram und Co. pausieren.
Der Clou: Der Fahrmodus kann automatisch aktiviert werden, wenn das iPhone eine Fahrbewegung erkennt oder mit CarPlay verbunden wird. Navigiert zu Einstellungen, Fokus, Fahren und aktiviert die intelligente Aktivierung. Wer kein CarPlay hat, kann auch hier Bluetooth-Verbindungen oder die Uhrzeit als Auslöser definieren.
Google Maps selbst optimal konfigurieren
Innerhalb von Google Maps gibt es ebenfalls Stellschrauben, die für mehr Sicherheit sorgen. Öffnet die App, tippt auf euer Profilbild rechts oben und wählt Einstellungen, Navigationseinstellungen. Hier solltet ihr die Sprachführung auf höchste Lautstärke stellen, damit ihr nicht aufs Display schauen müsst, um Abbiegungen mitzubekommen. Aktiviert außerdem detaillierte Sprachanweisungen, sodass Google Maps Straßennamen und Orientierungspunkte nennt, was die Navigation deutlich erleichtert.
Deaktiviert den Bildschirm-Timeout, damit der Bildschirm während der Navigation nicht ausgeht und ihr hektisch danach greifen müsst. Auf der Autobahn hilft ein einfacheres Interface, denn weniger Details bedeuten weniger Ablenkung auf monotonen Strecken. Eine wichtige Regel: Gebt eure Zieladresse immer vor Fahrtantritt ein. Tests des ACE Auto Club Europa haben gezeigt, dass die Adresseingabe während der Fahrt bis zu 78 Sekunden Ablenkung verursachen kann – eine Ewigkeit im Straßenverkehr.

Messenger-Apps in die Schranken weisen
WhatsApp, Telegram und Signal sind oft die Hauptverursacher nerviger Unterbrechungen. Statt die Apps komplett zu deaktivieren, gibt es elegantere Lösungen. Aktiviert in den jeweiligen Apps die Funktion Benachrichtigungen pausieren für eine oder zwei Stunden. Bei WhatsApp findet ihr diese Option direkt in den Chat-Einstellungen.
Alternativ nutzt die systemweiten Benachrichtigungseinstellungen eures Smartphones und definiert, dass Messenger-Apps während der Fahrt keine Pop-ups anzeigen dürfen. Lediglich in der Benachrichtigungsleiste sollen sie erscheinen – und die schaut ihr euch erst an, wenn ihr sicher geparkt habt.
Halterungen und Sprachsteuerung: Die unterschätzten Helfer
Eine vernünftige Smartphone-Halterung ist Gold wert. Sie positioniert das Display im Blickfeld, ohne dass ihr den Kopf stark drehen müsst. Achtet darauf, dass die Halterung stabil sitzt und keine Bedienelemente verdeckt. Saugnapf-Halterungen für die Windschutzscheibe sind oft besser als Lüftungsgitter-Varianten, die bei modernen Autos mit flachen Lamellen Probleme machen.
Kombiniert die Halterung mit Sprachsteuerung. Hey Google oder Hey Siri ermöglichen es, Anrufe anzunehmen, Nachrichten zu diktieren oder die Route zu ändern, ohne auch nur einen Finger vom Lenkrad zu nehmen. Allerdings solltet ihr wissen: Selbst die Sprachsteuerung kostet Aufmerksamkeit. Das Gehirn registriert im Moment der mentalen Ablenkung riskante Situationen langsamer und reagiert verzögert. Studien belegen, dass selbst freihändiges Texten das Unfallrisiko um 54 Prozent erhöht. Sprachsteuerung ist also besser als händische Bedienung, aber nicht risikofrei.
CarPlay und Android Auto als Premium-Lösung
Wer ein neueres Fahrzeug besitzt, sollte unbedingt CarPlay oder Android Auto nutzen. Diese Systeme integrieren Google Maps direkt ins Fahrzeugdisplay und filtern Benachrichtigungen automatisch. Nur relevante Informationen werden angezeigt, und die Bedienung erfolgt über größere Touchscreens oder physische Bedienelemente im Auto.
Besonders praktisch: Eingehende Anrufe oder Nachrichten werden vorgelesen, und ihr könnt per Sprachbefehl antworten. Die Navigation läuft parallel weiter, ohne dass die Ansicht wechselt. Das reduziert die visuelle Ablenkung deutlich, auch wenn die kognitive Belastung weiterhin besteht.
Praktische Routinen für maximale Sicherheit
Entwickelt eine feste Routine vor jeder Fahrt: Smartphone in die Halterung, Fahrmodus aktivieren, Google Maps starten, Route überprüfen. Diese zehn Sekunden können den entscheidenden Unterschied machen. Die amtliche Unfallstatistik weist für 2024 insgesamt 8.722 Unfälle mit Personenschaden auf, bei denen Ablenkung die Ursache war, mit 106 Todesfällen und 1.572 schwer Verletzten. Unfallforscherinnen gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, da sich vieles im Nachhinein schwer nachweisen lässt.
Legt euer Smartphone außerhalb der Reichweite, wenn ihr keine Halterung habt. Die Versuchung, während der Fahrt danach zu greifen, ist sonst zu groß. Viele moderne Autos haben induktive Ladeflächen in der Mittelkonsole – perfekt, um das Gerät aufzuladen und gleichzeitig außer Sichtweite zu halten, während die Sprachansagen über die Autoboxen laufen.
Was tun bei wichtigen Kontakten?
Die Sorge, einen wichtigen Anruf zu verpassen, ist berechtigt. Deshalb solltet ihr Ausnahmen definieren. Sowohl Android als auch iOS erlauben es, bestimmte Kontakte auf eine Durchlass-Liste zu setzen. Nur diese können euch dann im Fahrmodus erreichen. Perfekt für Familie, enge Freunde oder geschäftskritische Partner.
Richtet zusätzlich eine automatische Antwort ein, die Anrufern mitteilt, dass ihr gerade unterwegs seid. Das schafft Klarheit und verhindert, dass sich jemand Sorgen macht, weil ihr nicht abnehmt. Die meisten werden Verständnis haben – schließlich geht es um eure und die Sicherheit anderer. Wer diese simplen Schritte befolgt, macht die Fahrt mit Google Maps nicht nur entspannter, sondern vor allem sicherer. Ein paar Minuten Vorbereitung können Leben retten – und genau darum geht es letztlich.
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