Warum Sie ab sofort die Rückseite Ihrer Wasserflasche lesen sollten: Was Supermärkte Ihnen verschweigen

Mineralwasser gilt als das natürlichste Getränk überhaupt – reines Wasser aus unterirdischen Quellen, abgefüllt ohne Zusätze. Doch ein genauer Blick auf die Nährwerttabelle offenbart oft eine erstaunliche Vielfalt an Mineralstoffen und gelösten Substanzen, die längst nicht alle Verbraucher auf dem Schirm haben. Während die meisten Menschen beim Einkauf lediglich zwischen still und sprudelnd unterscheiden, verbergen sich in der unscheinbaren Tabelle auf der Rückseite wichtige Informationen über die tatsächliche Zusammensetzung des Wassers.

Was die Nährwerttabelle bei Mineralwasser wirklich aussagt

Anders als bei anderen Lebensmitteln zeigt die Nährwerttabelle bei Mineralwasser keine Kalorien oder Makronährstoffe – zumindest nicht in nennenswerter Menge. Stattdessen finden sich dort Angaben zu Mineralstoffen, die das Wasser während seiner jahrzehntelangen Reise durch verschiedene Gesteinsschichten aufgenommen hat. Diese natürliche Anreicherung macht jedes Mineralwasser einzigartig, denn es enthält Calcium, Magnesium und weitere Mineralstoffe in unterschiedlichen Konzentrationen.

Die Angaben erfolgen üblicherweise in Milligramm pro Liter, wobei bereits geringe Unterschiede in der Konzentration deutliche Auswirkungen auf Geschmack und physiologische Wirkung haben können. Viele Verbraucher übersehen diese Zahlen komplett oder wissen nicht, welche Bedeutung sie für den täglichen Gebrauch haben.

Natriumgehalt: Der unterschätzte Faktor bei der Wasserauswahl

Natrium steht meist an erster Stelle der Mineralstoffangaben und verdient besondere Aufmerksamkeit. Während einige stille Mineralwässer weniger als 10 mg Natrium pro Liter enthalten, weisen andere Wässer Werte von über 200 mg auf. Für Menschen mit Bluthochdruck oder Nierenerkrankungen kann dieser Unterschied relevant sein, da die empfohlene Natriumaufnahme begrenzt werden sollte.

Besonders tückisch: Wer täglich zwei bis drei Liter eines natriumreichen Wassers trinkt, nimmt dadurch bereits einen beachtlichen Teil der empfohlenen Tageshöchstmenge zu sich – ohne es zu merken. Die empfohlene Natriumzufuhr für Erwachsene liegt bei 2 bis 3 Gramm täglich. Ein Mineralwasser mit 200 mg Natrium pro Liter liefert bei drei Litern bereits 600 mg – also mindestens ein Fünftel der Tagesdosis. Mineralwässer mit sehr niedrigem Natriumgehalt eignen sich besonders für die Zubereitung von Säuglingsnahrung und für Menschen, die ihre Natriumzufuhr bewusst reduzieren möchten.

Calcium und Magnesium: Wertvolle Mineralstoffe mit Eigenheiten

Calcium und Magnesium gelten als besonders wertvolle Bestandteile von Mineralwasser. Calciumreiche Wässer über 150 mg pro Liter können durchaus zur Deckung des Tagesbedarfs beitragen. Der tägliche Bedarf liegt bei Erwachsenen bei etwa 1000 mg, sodass ein Liter calciumreiches Wasser bereits 15 Prozent abdeckt.

Wissenschaftliche Studien der Universität Tübingen zeigen, dass Mineralstoffe aus calciumreichen Mineralwässern ähnlich effizient aufgenommen werden wie aus empfohlenen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Die Resorptionsquote bei Calcium aus Mineralwasser liegt bei 40 bis 50 Prozent – auf dem Niveau von Milch und Milchprodukten und deutlich höher als bei vielen pflanzlichen Lebensmitteln.

Magnesium spielt eine wichtige Rolle bei Muskel- und Nervenfunktionen. Der tägliche Bedarf liegt bei Frauen bei etwa 300 mg und bei Männern bei 350 mg. Mineralwässer mit über 50 mg Magnesium pro Liter gelten als magnesiumhaltig und können besonders für Sportler interessant sein. Die Bioverfügbarkeit von Magnesium aus Mineralwasser entspricht mit 40 bis 50 Prozent ebenfalls der von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Allerdings vertragen nicht alle Menschen hohe Magnesiumkonzentrationen gleich gut: Bei empfindlichen Personen kann magnesiumreiches Wasser abführend wirken – ein Effekt, der oft nicht mit dem Trinkwasser in Verbindung gebracht wird.

Sulfat: Der Mineralstoff mit Wirkung auf die Verdauung

Sulfat erscheint in vielen Nährwerttabellen mit Werten zwischen 10 und über 1000 mg pro Liter. Dieser Mineralstoff wird deutlich seltener thematisiert als Calcium oder Magnesium, hat aber bemerkenswerte Eigenschaften. Sulfathaltige Wässer können die Verdauung anregen und bei Verstopfung hilfreich sein.

Die Kehrseite: Genau dieser Effekt kann bei regelmäßigem Konsum und empfindlichem Verdauungssystem zu Beschwerden führen. Wer sein Mineralwasser wechselt und plötzlich mit Verdauungsproblemen zu kämpfen hat, sollte einen Blick auf den Sulfatgehalt werfen. Die Lösung ist oft simpel: ein Wasser mit niedrigerem Sulfatgehalt wählen.

Hydrogencarbonat: Einfluss auf den Säure-Basen-Haushalt

Hydrogencarbonat findet sich in Konzentrationen von wenigen Milligramm bis über 2000 mg pro Liter. Dieser Stoff wirkt als Puffer im Körper und kann den Säure-Basen-Haushalt beeinflussen. Eine wissenschaftliche Studie mit 120 gesunden Erwachsenen zwischen 18 und 65 Jahren zeigte, dass die erhöhte Zufuhr hydrogencarbonatreicher Mineralwässer zu einer signifikanten Senkung der renalen Nettosäureausscheidung führte. Dies bedeutet, dass solche Wässer einer nahrungsinduzierten Säurebelastung entgegenwirken können.

Wässer mit hohem Hydrogencarbonatgehalt schmecken oft leicht seifig oder haben einen besonderen Nachgeschmack, was viele Verbraucher irritiert, ohne die Ursache zu kennen. Die Kenntnis über den Hydrogencarbonatgehalt ermöglicht bewusste Entscheidungen je nach individueller Situation.

Der Gesamtmineralgehalt: Von sehr gering bis reich an Mineralstoffen

Die Summe aller gelösten Mineralstoffe wird als Gesamtmineralgehalt oder Trockenmasse bei 180 Grad Celsius angegeben. Diese Klassifizierung hilft bei der grundsätzlichen Orientierung. Unter 50 mg pro Liter spricht man von sehr geringem Mineralstoffgehalt, zwischen 50 und 500 mg von geringem, zwischen 500 und 1500 mg von mittlerem und über 1500 mg von hohem Mineralstoffgehalt.

Mineralstoffreiches Wasser ist nicht automatisch besser oder gesünder. Die individuelle Situation entscheidet über die optimale Wahl. Sportler können beispielsweise von mineralstoffreicheren Varianten profitieren, während in anderen Situationen mineralstoffärmere Wässer die bessere Wahl sein können.

Praktische Tipps für den bewussten Einkauf

Die Nährwerttabelle richtig zu lesen bedeutet zunächst, sie überhaupt zu beachten. Ein systematischer Vergleich verschiedener Wässer zeigt schnell, wie unterschiedlich die Zusammensetzungen sind. Wer gesundheitliche Einschränkungen hat oder bestimmte Mineralstoffe gezielt aufnehmen möchte, sollte die Werte in die Kaufentscheidung einbeziehen.

Für den Alltag empfiehlt sich ein Wasser mit ausgewogener Mineralstoffzusammensetzung und niedrigem Natriumgehalt. Bei speziellen Bedürfnissen – ob niedriger Sulfatgehalt bei empfindlichem Magen oder hoher Calciumgehalt zur Unterstützung der Knochengesundheit – lohnt sich die gezielte Auswahl. Die Investierung von zwei Minuten beim Einkauf kann langfristig einen spürbaren Unterschied machen. Das stille Mineralwasser im Supermarktregal ist eben doch nicht gleich Mineralwasser, und die Nährwerttabelle verrät die wahre Geschichte dessen, was in der Flasche steckt.

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