Wenn der Februar mit seinen grauen Tagen und eisigen Temperaturen Europa fest im Griff hat, wird ein Besuch in Sighișoara zu einem ganz besonderen Erlebnis. Die mittelalterliche Stadt in Siebenbürgen verwandelt sich in dieser Jahreszeit in eine Kulisse wie aus einem Gothic-Roman – perfekt für alle, die gemeinsam mit Freunden ein authentisches Abenteuer fernab ausgetretener Touristenpfade suchen. Während andere Reiseziele im Februar entweder hoffnungslos überlaufen oder verschlafen wirken, bietet diese rumänische Perle genau die richtige Mischung aus Kultur, Geschichte und bezahlbarem Reisevergnügen.
Warum Sighișoara im Februar eine clevere Wahl ist
Der Februar mag in Siebenbürgen kalt sein, doch genau das macht den Charme aus. Die schneebedeckten Dächer der bunten Bürgerhäuser, die nebelverhangenen Gassen der Oberstadt und die knarzenden Holztreppen unter einer dünnen Eisschicht schaffen eine Atmosphäre, die man so nur in den Wintermonaten erleben kann. Die Besucherzahlen sind deutlich niedriger als im Sommer, was bedeutet, dass ihr die Stadt fast für euch allein habt – ein unbezahlbarer Vorteil, wenn man bedenkt, dass Sighișoara zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
Die Preise fallen im Februar auf ihr Jahrestief. Unterkünfte kosten teilweise 40 bis 50 Prozent weniger als in der Hochsaison, und auch in den traditionellen Gasthäusern könnt ihr euch für einen Bruchteil dessen verwöhnen lassen, was ihr anderswo in Europa zahlen würdet. Ein herzhaftes Essen mit lokalen Spezialitäten bekommt ihr bereits ab 8 bis 12 Euro pro Person, und selbst in den gehobenen Restaurants der Altstadt bleibt die Rechnung unter 20 Euro.
Die Oberstadt – Ein Zeitsprung ins Mittelalter
Das Herzstück von Sighișoara ist die Cetatea Sighișoarei, die befestigte Oberstadt, die wie eine Insel aus dem 14. Jahrhundert mitten in der Moderne wirkt. Über die überdachte Schülertreppe – eine hölzerne Konstruktion mit 175 Stufen – gelangt ihr hinauf zu diesem architektonischen Juwel. Im Februar kann diese Treppe etwas rutschig sein, aber gerade das gemeinsame Hochsteigen mit Freunden, das gegenseitige Festhalten und Lachen macht den Aufstieg zu einem ersten gemeinsamen Abenteuer.
Oben angekommen, erwartet euch ein Labyrinth aus kopfsteingepflasterten Gassen, pastellfarbenen Häusern und mittelalterlichen Wehrtürmen. Der Stundturm ist das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt und beherbergt heute ein Museum. Für etwa 3 Euro könnt ihr den Turm besteigen und werdet mit einem Panoramablick über die verschneiten Dächer belohnt. An klaren Februartagen reicht die Sicht bis zu den Karpaten am Horizont – ein Fotomotiv, das eure Social-Media-Kanäle zum Glühen bringen wird.
Auf den Spuren von Dracula
Sighișoara ist der Geburtsort von Vlad III., besser bekannt als Vlad Drăculea oder Vlad der Pfähler – die historische Figur, die Bram Stoker zu seinem berühmten Vampir inspirierte. Das Geburtshaus in der Oberstadt ist heute ein kleines Museum und Restaurant. Während das Essen dort etwas touristischer ausgerichtet ist, lohnt sich ein Besuch allein wegen der Atmosphäre. Im Februar, wenn Dunkelheit früh hereinbricht und Nebel durch die Gassen zieht, fühlt sich das Dracula-Thema besonders authentisch an.
Organisiert mit euren Freunden einen abendlichen Spaziergang durch die beleuchtete Altstadt – die mittelalterlichen Laternen werfen gespenstische Schatten an die alten Mauern, und die Stille der Winternacht verstärkt das Gefühl, durch ein lebendiges Geschichtsbuch zu wandern. Dieser Moment kostet nichts außer eurer Zeit, wird aber zu den unvergesslichsten Erinnerungen eurer Reise gehören.
Versteckte Schätze und kulturelle Entdeckungen
Neben den offensichtlichen Sehenswürdigkeiten lohnt es sich, einfach durch die Gassen zu streifen. Die evangelische Bergkirche thront über der Stadt und ist über einen steilen Pfad erreichbar. Der kleine Friedhof neben der Kirche erzählt Geschichten der sächsischen Vergangenheit Siebenbürgens. Der Eintritt in die meisten Kirchen ist frei oder kostet maximal 2 Euro.
Die verschiedenen Wehrtürme – einst von den Zünften der Stadt bewacht und unterhalten – können teilweise besichtigt werden. Jeder Turm hat seine eigene Geschichte: der Schneiderturm, der Schusterturm, der Metzgerturm. Diese Relikte mittelalterlicher Stadtverteidigung sind im Februar besonders eindrucksvoll, wenn Eiszapfen von den alten Ziegeln hängen.

Praktische Tipps für die Unterkunft
Im Februar findet ihr in Sighișoara problemlos günstige Unterkünfte. Private Pensionen in der Unterstadt bieten Mehrbettzimmer ab etwa 12 bis 15 Euro pro Person und Nacht. Wenn ihr zu dritt oder viert reist, könnt ihr oft ganze Apartments für 40 bis 60 Euro pro Nacht mieten – aufgeteilt durch die Gruppe ein echtes Schnäppchen.
Die Unterkunftsgeber sind im Februar besonders herzlich und oft bereit, euch Insider-Tipps zu geben. Viele Pensionen bieten ein reichhaltiges Frühstück im Preis inbegriffen, sodass ihr gestärkt in den Tag starten könnt. Achtet auf Unterkünfte mit Heizung – die Februarnächte können Temperaturen bis minus 10 Grad erreichen.
Fortbewegung und Anreise
Sighișoara ist mit dem Zug gut erreichbar. Von größeren rumänischen Städten wie Brașov (etwa 2 Stunden Fahrt) oder Cluj-Napoca (circa 3,5 Stunden) fahren regelmäßig Züge. Eine Fahrkarte der zweiten Klasse kostet zwischen 5 und 10 Euro. Die Zugfahrt durch die verschneite siebenbürgische Landschaft ist bereits ein Erlebnis für sich.
Innerhalb von Sighișoara braucht ihr keine öffentlichen Verkehrsmittel. Die Stadt ist kompakt und alles ist zu Fuß erreichbar. Investiert lieber in gutes Schuhwerk mit rutschfester Sohle – das Kopfsteinpflaster kann im Februar eisig sein. Die täglichen Spaziergänge durch die historischen Gassen werden ohnehin zum Highlight eurer Reise.
Kulinarische Entdeckungen ohne großes Budget
Die rumänische Küche ist herzhaft, wärmend und perfekt für kalte Februartage. Probiert unbedingt Sarmale – mit Fleisch gefüllte Kohlrouladen in saurer Sahne – oder Mămăligă, einen Maisbrei, der oft mit Käse und Sahne serviert wird. Eine vollständige Mahlzeit mit traditionellen Gerichten bekommt ihr in familiengeführten Lokalen für 8 bis 12 Euro.
Sucht nach Gasthäusern außerhalb der Haupttouristenzone in der Oberstadt. In der Unterstadt findet ihr authentischere und günstigere Optionen. Die Portionen sind großzügig, sodass ihr mit einer Mahlzeit wirklich satt werdet. Zum Aufwärmen eignet sich ein Rachiu, ein lokaler Pflaumenschnaps, der für etwa 2 Euro pro Glas serviert wird.
Für das Frühstück oder einen Snack zwischendurch lohnt sich der Besuch lokaler Bäckereien. Covrigi (rumänische Brezeln) kosten nur etwa 0,50 Euro, und ein frisch gebackenes Plăcintă (gefülltes Gebäck) ist für unter 2 Euro zu haben. Mit einem Thermosbecher Kaffee könnt ihr so ein improvisiertes Picknick auf einer der alten Stadtmauern genießen – romantisch und budgetschonend zugleich.
Tagesausflüge in die Umgebung
Wenn ihr mehrere Tage in Sighișoara verbringt, bieten sich Ausflüge in die nähere Umgebung an. Die befestigten Kirchenburgen Siebenbürgens sind im Winter besonders fotogen. Orte wie Biertan oder Viscri sind mit lokalen Bussen für wenige Euro erreichbar. Die Busse fahren allerdings im Februar seltener, plant also genug Zeit ein und informiert euch vorab über die Fahrpläne.
Eine weitere Option ist ein Ausflug nach Brașov, das etwa 60 Kilometer entfernt liegt. Die Stadt bietet eine ganz andere Atmosphäre mit ihrer gotischen Architektur und dem nahegelegenen Schloss Bran. Die Zugfahrt ist günstig und die Verbindung regelmäßig.
Was ihr einpacken solltet
Der Februar in Siebenbürgen verlangt nach warmer Kleidung. Schichtet eure Outfits: Thermounterwäsche, warme Pullover und eine wind- und wasserdichte Jacke sind essenziell. Handschuhe, Mütze und Schal dürfen nicht fehlen. Die trockene Kälte ist allerdings angenehmer als die feuchte Winterkälte Westeuropas.
Eine wiederverwendbare Wasserflasche spart Geld – Leitungswasser ist in Rumänien trinkbar. Eine Powerbank für eure Smartphones ist sinnvoll, da die Kälte Akkus schneller entleert. Und packt unbedingt eine Kamera ein – die winterlichen Motive in Sighișoara sind spektakulär.
Die Kombination aus niedrigen Preisen, authentischer mittelalterlicher Atmosphäre und der besonderen Winterstimmung macht Sighișoara im Februar zu einem Geheimtipp für Freundesgruppen, die mehr erleben wollen als überlaufene Städtereisen. Hier könnt ihr Geschichte hautnah spüren, ohne euer Budget zu sprengen, und werdet mit Erinnerungen nach Hause fahren, die unbezahlbar sind.
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